Wie man Motorradreifen auswählt und wechselt
Für Harley-Davidson-Motorräder sind Reifen mehr als nur Verschleißteile - sie bestimmen maßgeblich, wie das Bike sich auf der Straße verhält. Unabhängig vom Modell hängen das Handling, der Grip und das Fahrgefühl von den zwei Kontaktflächen ab, die das Motorrad mit dem Asphalt verbinden. Da Motorradreifen mit der Zeit altern, härter werden, Risse bekommen und verschleißen, muss jeder Fahrer seine Reifen irgendwann einmal ersetzen.
Eine häufige Frage dabei: Kann ein Reifenwechsel selbst durchgeführt werden, oder sollte die Arbeit einer Werkstatt überlassen werden? Die kurze Antwort: Ein Wechsel ist zu Hause möglich - aber nur mit den richtigen Werkzeugen, dem nötigen Wissen und einem klaren Verständnis für den Reifen, der gerade bearbeitet wird. Genau das liefert dieser Leitfaden.
Dieser Artikel vermittelt die Grundlagen von Harley-Davidson-Motorradreifen, beantwortet häufige Fragen zu Reifenpassung und gesetzlichen Anforderungen und bietet eine klare Schritt-für-Schritt-Übersicht zum Reifenwechsel.
Behandelt werden die wichtigsten Punkte zu Reifen für Harley-Davidson-Motorräder, darunter:
- Verschiedene Reifentypen und -konstruktionen
- Passende Auswahl von kompatiblen Reifen
- Lesen und Verstehen von Reifenkennzeichnungen
- Wesentliche Aspekte bei Montage, Aufziehen und korrekter Ausrichtung eines Reifens
Am Ende dieses Leitfadens sollten die entscheidenden Überlegungen bei der Wahl des richtigen Reifens klar sein und zugleich ein Überblick darüber bestehen, wie Reifen installiert werden.
Wer sich in der Auswahl des passenden Reifens bereits sicher ist und hauptsächlich an den technischen Schritten interessiert ist, kann direkt zu Teil 2: Reifenwechsel am Motorrad springen.
Ärmel hochkrempeln und loslegen - der nächste Reifensatz für die Harley wartet.
1. Den richtigen Reifen für die Harley auswählen
Beim Reifenwechsel an einer Harley-Davidson ist das Ziel in der Regel klar: Einen Reifen wählen, der technisch zum Motorrad passt und für den Straßenverkehr zugelassen ist. In vielen Ländern ist der Reifen selbst nicht Teil der Betriebserlaubnis des Fahrzeugs, weshalb der Begriff „richtiger Reifen“ unterschiedlich interpretiert werden kann. Für den Reifenwechsel gilt jedoch: Der richtige Reifen ist in erster Linie derjenige, der zur Felge, zu den Spezifikationen des Motorrads und zu den geltenden Vorschriften passt.
Die folgenden Abschnitte geben einen strukturierten Überblick. Zunächst werden die grundlegenden Bauarten moderner Motorradreifen vorgestellt, danach Hinweise zu Reifen-Kompatibilität, rechtlichen Anforderungen und zum korrekten Lesen von Reifenkennzeichnungen gegeben. So lässt sich sicherstellen, dass der gewählte Reifen zur Harley passt, wie vorgesehen funktioniert und den Straßenverkehrsvorschriften entspricht.
Welche unterschiedlichen Reifenbauarten gibt es?
Moderne Motorradreifen sind Luftreifen, das heißt, sie tragen Last, behalten ihre Form und sorgen für Federung und Grip durch den Innendruck. Um diesen Kräften standzuhalten, wird Gummi mit Lagen aus Gewebe- oder Stahlcords kombiniert, die die innere Struktur des Reifens bilden - die sogenannte Karkasse.
In diesem Zusammenhang bezieht sich „moderne Motorradreifen“ auf alle aktuell verfügbaren Reifen, mit Ausnahme historischer Reifen mit Hakenwulst (Wulstreifen), wie sie bis in die frühen 1930er-Jahre auf Motorrädern üblich waren und in Aufbau und Funktionsweise eher Fahrradreifen ähneln. Diese speziellen historischen Reifentypen werden in diesem Artikel nicht behandelt.
Harley-Davidson-Motorräder nutzen Reifen verschiedener Hersteller, die aber alle denselben grundlegenden Konstruktionsprinzipien folgen. Unterschiede liegen vor allem in der Anordnung der Gewebelagen. Auf Harley-Davidson-Bikes werden hauptsächlich zwei Bauarten verwendet: Diagonalbauweise (Bias-ply) und Bias-Belted-Bauweise (B), während eine weniger verbreitete dritte Variante die Radialbauweise (R) darstellt:
Diagonalbauweise (Bias-ply)
Bei der Diagonalbauweise verlaufen die Gewebelagen des Reifenunterbaus (Karkasse) in wechselnden Winkeln von Wulst zu Wulst, typischerweise zwischen 30° und 40°. Diese Bauart bietet eine gute Seitensteifigkeit und Laststabilität, führt jedoch zu einer längeren, schmaleren Kontaktfläche und höherer Wärmeentwicklung bei höheren Geschwindigkeiten.
Bias-Belted-Bauweise (B)
Bias-Belted-Reifen kombinieren eine diagonale Karkasse mit zusätzlichen Lagen unter der Lauffläche, die flach verlegt sind. Diese Konstruktion verbessert die Umfangsstabilität im Vergleich zu reinen Bias-ply-Reifen, während einige der Lastaufnahme-Eigenschaften und der Fahrkomfort erhalten bleiben.
Radialbauweise (R)
Radialreifen nutzen Karkassfäden, die im 90°-Winkel zur Fahrtrichtung verlaufen, kombiniert mit einer stabilisierenden Gürtel-Lage aus Stahl, Kevlar oder Nylon unter der Lauffläche. Diese Bauweise bietet eine breitere Kontaktfläche, besseren Grip, geringere Wärmeentwicklung und minimales Reifenwachstum bei höheren Geschwindigkeiten. Radialreifen sind auf Harley-Davidson-Motorrädern eher selten - abgesehen vom LiveWire. Werden passende Maße gefunden, sind Radialreifen grundsätzlich kompatibel, sie werden jedoch in der Regel weder von Harley noch von üblichen Aftermarket-Anbietern standardmäßig angeboten.
Welcher Reifen ist der richtige für die Harley-Davidson?
Technisch gesehen gibt es keinen einzelnen „besten“ Reifen für Harley-Davidson-Motorräder. Welcher Reifen passend ist, hängt vom Fahrstil, dem Terrain, dem jeweiligen Motorradmodell und dem gewünschten Erscheinungsbild ab. Reifen lassen sich grob in Kategorien einteilen - dies ist eine Möglichkeit, wie es bei W&W Cycles gehandhabt wird; andere Klassifikationen existieren ebenfalls.
Klassische Reifen
Für Fahrer, die ein historisches Erscheinungsbild bevorzugen, bieten klassische Reifen Laufflächenprofile von Diamant- und Blockmustern bis zu Längsrillen. Bekannte Beispiele sind die Längsprofile der Highway Classics von Goodyear oder Firestone, die inzwischen von Herstellern wie Coker und Shinko reproduziert werden, sowie weiteren Optionen von Heidenau und Avon. Einige Profile stammen ursprünglich aus dem militärischen oder Offroad-Bereich, wie der legendäre Goodyear Grasshopper, dessen Chevron-Profil die Bates Baja-Reifen inspirierte. Klassische Reifen eignen sich am besten für Straßenfahrten auf Asphalt und bieten ein authentisches Erscheinungsbild bei klassischen Modellen wie Knucklehead, Panhead oder bei Custom-Bauten von Choppern und Bobbern.
Scrambler- / All-Terrain-Reifen
Vielseitige Reifen für Fahrer, die auf Schotter, leichtem Gelände und Asphalt unterwegs sind. Beispiele sind Bates Baja, Dunlop Trailmax und Coker ANS. Diese Reifen sind kompatibel mit Sportster-, Dyna-, FX-Modellen und LiveWire. Sie bieten einen Kompromiss zwischen Grip, Komfort und Haltbarkeit und eignen sich für Fahrer, die Flexibilität auf verschiedenen Untergründen wünschen. Scrambler-Reifen zeichnen sich durch eine stärkere Profilierung im Vergleich zu reinen Straßenreifen aus.
Touring- / Straßenreifen
Touring- und Straßenreifen sind für den überwiegenden Asphaltbetrieb ausgelegt - sei es beim Pendeln, auf Langstreckenfahrten oder auf kurvigen Landstraßen. Im Vergleich zu Scrambler- und Offroad-Reifen besitzen sie ein weniger stark ausgeprägtes Profil (weniger und flache Rillen), da tiefe Profilstollen auf Asphalt nicht benötigt werden. Dies sorgt für gleichmäßigen Abrieb, leiseren Lauf und bessere Stabilität, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten und in Kurven. Bekannte Marken sind Avon, Dunlop und Pirelli.
Drag- / Rennreifen
Drag- und Rennreifen sind auf maximalen Grip bei geraden Beschleunigungen ausgelegt. Hinterreifen sind meistens Slicks (Rennreifen ohne Profil ) aus weichem, griffigem Gummi, um die Leistung ohne Durchdrehen auf den Asphalt zu übertragen. Vordere Reifen besitzen in der Regel ein Längsprofil, das für stabile Führung sorgt und verhindert, dass das Rad unter den extremen Kräften des Drag Racing seitlich ausbricht. Das Sortiment bei W&W Cycles richtet sich vor allem an Harley-Davidson-Drag Bikes im Stil der 1950er- und 1960er-Jahre. Renommierte Hersteller wie Mickey Thompson und M+H liefern die erwartete Performance für diese Art des Fahrens. Da diese Reifen nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind und keine ECE-R75-Zulassung besitzen, sind sie ausschließlich für die Rennstrecke vorgesehen.
Diese Beschreibungen geben einen Überblick, welche der verfügbaren Optionen zum Motorrad und Fahrstil passen. Sie dienen als allgemeiner Rahmen und nicht als strikte Vorgabe. Reifenhersteller klassifizieren ihre Produkte teilweise anders. Bei jeder Wahl müssen außerdem Größe, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsklasse für das jeweilige Harley-Modell berücksichtigt werden. Diese Informationen sind in der Reifenbeschreibung enthalten, die im nächsten Abschnitt behandelt wird.
Wie liest man Reifenkennzeichnungen?
Die Markierungen auf der Reifenflanke liefern wichtige Informationen zu Produktionsdatum, Abmessungen und Leistungsangaben. Sie sind entscheidend, um den passenden Reifen für die Harley-Davidson auszuwählen. Es gibt drei gebräuchliche Kennzeichnungssysteme: Zollangaben, metrische Angaben und alphanumerische Angaben.
Für eine vollständige Erklärung jeder Markierung und aller möglichen Werte für klassische Harley-Größen siehe unsere kompletten Reifentabellen. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die wichtigsten Bestandteile einer Reifenkennzeichnung. Reifenkennzeichnungen wurden im Laufe der Jahre mehrfach überarbeitet und an Standards sowie Leistungsanforderungen angepasst. Die folgende Beschreibung konzentriert sich bewusst auf die derzeit gebräuchlichen Kennzeichnungen, die für die Neubeschaffung relevant sind:
Reifenabmessungen - Geben Breite und Höhe an. Beispiele: 5.00-16 (Zoll) oder 150/90 (metrisch).
- Zollangaben (z. B. 5.00-16): Die erste Zahl (z. B. 5.00) bezeichnet Reifenbreite und Höhe. Der Bindestrich (-) zeigt an, dass es sich um einen Diagonalreifen (Bias) handelt, wie es bei zollbasierten Reifen üblich ist. Solche Reifen sind in der Regel für Geschwindigkeiten bis 150 km/h zugelassen. Bei höheren Geschwindigkeiten wird der Bindestrich durch S (bis 180 km/h) oder selten H ersetzt. Beispiel: 5.00S16 bezeichnet einen Reifen mit 5,00 Zoll Breite, zugelassen bis 180 km/h, passend für eine 16-Zoll-Felge.
- Metrisch (z. B. 150/90): Hier wird der Felgendurchmesser nach dem Höhen Breiten-Verhältnis angegeben.
- Alphanumerisch (z. B. MT90): Manche Reifen sind durch Kombinationen aus Zahlen und Buchstaben gekennzeichnet, z. B. MT90. Diese Werte sind in den Reifentabellen detailliert beschrieben. Einige dieser Kennzeichnungen werden noch heute verwendet, z. B. entspricht MT90 ungefähr 130/90 im metrischen System.
Aufbau / Konstruktion Code - Gibt die interne Bauweise an:
- - für herkömmliche Diagonalreifen (Bias)
- B für bias-belted
- R für Radial
Schlauchtyp - TT für Reifen mit Schlauch, TL für schlauchlose Reifen.
Tragfähigkeitsindex - Gibt das maximal zulässige Gewicht an, das der Reifen sicher tragen kann (z. B. 69, 73, 77).
Geschwindigkeitsindex - Maximalgeschwindigkeit oder Leistungsgrenze des Reifens (z. B. H, S).
Eine sorgfältige Beachtung dieser Kennzeichnungen stellt sicher, dass der Ersatzreifen zur Felge und den Fahranforderungen passt. Für eine detaillierte Übersicht aller möglichen Kennzeichnungen, insbesondere für klassische Harley-Davidson-Größen, siehe unsere vollständigen Reifentabellen.
Welche Reifen dürfen legal am Motorrad verwendet werden?
Beim Reifenwechsel an der Harley-Davidson ist die Einhaltung gesetzlicher und sicherheitsrelevanter Vorschriften entscheidend. Zugelassene Reifengröße, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsindex stellen sicher, dass der Reifen zum Motorrad passt und den Straßenverkehrsvorschriften entspricht. Die genauen Anforderungen hängen immer vom Land der Fahrzeugzulassung ab:
Vereinigte Staaten
- In den US-amerikanischen Zulassungsdokumenten sind keine speziellen Reifen aufgeführt.
- Die gesetzeskonforme Auswahl richtet sich nach den Herstellerangaben.
- Relevante Informationen finden sich auf:
- Reifenflanken: Größe, Tragfähigkeitsindex, Geschwindigkeitsindex und Bauart
- Herstelleraufkleber: meist am Schwingarm, Kettenschutz oder unter dem Sitz, mit empfohlenen Reifendrücken und -größen
- Beim Austausch eines Reifens sollte ein Modell gewählt werden, das der Originalgröße entspricht und die Tragfähigkeit sowie die Geschwindigkeitsfreigabe erfüllt oder übertrifft.
Europa (EU-Vorschriften)
- Alle Motorräder, die ab 1999 erstmals zugelassen wurden, müssen der Richtlinie 97/24/EG oder nachfolgenden EU-Vorschriften entsprechen. Solchen Motorrädern wird ein Certificate of Conformity (CoC) ausgestellt, das in der Regel vom Händler bei der Erstzulassung übergeben wird. Beim Kauf eines gebrauchten Motorrads sollte sichergestellt werden, dass das CoC vorhanden ist und exakt zum Fahrzeug passt (VIN, Modell, Spezifikationen).
- Das CoC enthält Angaben zu: Zugelassenen Reifengrößen, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex, Einhaltung von EU/ECE-Standards
- Nur Reifen, die im CoC aufgeführt sind, gelten als legal zugelassen für das jeweilige Motorrad. Die Verwendung nicht gelisteter Reifen kann die Fahrzeugzulassung oder den Versicherungsschutz gefährden.
Wichtige Punkte
- Immer die lokalen Vorschriften prüfen, da Genehmigungs-Regeln je nach Land variieren können.
- Reifenkennzeichnungen, CoC-Dokumente oder vergleichbare Unterlagen und Herstellerangaben abgleichen.
- Sicherstellen, dass Größe, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsfreigabe zur Harley und zum Fahrstil passen.
Diese Schritte stellen sicher, dass die Ersatzreifen sicher sind, korrekt zum Motorrad passen und den örtlichen gesetzlichen Vorschriften entsprechen, abhängig vom Zulassungsort der Harley.
2. Wie wechselt man einen Reifen am Motorrad
Nachdem ein passender Ersatzreifen ausgewählt wurde, besteht der nächste Schritt darin, ihn auf die Felge zu montieren. Der Reifenwechsel am Motorrad erfordert geeignetes Werkzeug, technisches Können und sorgfältiges Vorgehen. Ohne die richtige Ausrüstung oder Erfahrung besteht die Gefahr, die Felge oder den Reifen zu beschädigen oder die Sicherheit zu beeinträchtigen.
Wenn Unsicherheit über einzelne Arbeitsschritte besteht oder das notwendige Werkzeug nicht verfügbar ist, sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden. Die Montage eines Reifens erfordert kontrollierten Kraftaufwand und präzises Handling, insbesondere bei harten Wulsten oder empfindlichen Felgenoberflächen.
Für diejenigen, die entsprechend ausgestattet sind, liefert der folgende Abschnitt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur korrekten Vorgehensweise, einschließlich der benötigten Werkzeuge, zum Ausbau des alten und Aufziehen des neuen Reifens auf eine Motorradfelge.
Wann sollte ein Motorradreifen ersetzt werden?
Es gibt viele Gründe, einen Reifen an der Harley-Davidson zu ersetzen. Ob durch Verschleiß, Wunsch nach einem anderen Profil, Leistungssteigerung oder Anpassung an veränderte Fahrbedingungen - ein Reifenwechsel umfasst mehr als nur den sichtbaren Zustand des Reifens. Reifenwechsel erfordern Zeit, Werkzeug und Aufwand, und Motorradreifen sind nicht billig, weshalb sowohl die eigenen Anforderungen als auch praktische Aspekte berücksichtigt werden sollten.
Während die Profiltiefe der offensichtlichste Indikator ist, geht der Zustand eines Reifens über den sichtbaren Verschleiß hinaus. Chemische und physikalische Prozesse lassen das Gummi im Laufe der Zeit altern: UV-Strahlung und Ozon härten die Mischung, Weichmacher verdampfen, und feine Risse entstehen, die Feuchtigkeit eindringen lassen. Selbst wenn die Profiltiefe noch ausreichend erscheint, verlieren gealterte Reifen Elastizität und Grip, was zu längeren Bremswegen und reduzierter Kurvenstabilität führt. Die Beachtung des Reifenalters sorgt dafür, dass Reifen ersetzt werden, bevor altersbedingte Verschlechterung die Sicherheit beeinträchtigt.
Praktische Hinweise für den Austausch eines Motorradreifens:
- Profiltiefe: Der Verschleißindikator (TWI - Tread Wear Indicator) markiert den Punkt, an dem der Reifenhersteller keine korrekte Funktion des Reifens mehr garantiert. Darüber hinaus gelten gesetzliche Mindestprofiltiefen, die je nach Land variieren, in der Regel jedoch zwischen 1,0 und 1,6 mm liegen. Reifen müssen ersetzt werden, sobald die gesetzliche Mindestprofiltiefe erreicht ist. Es liegt in der Verantwortung des Fahrers, die geltenden Vorschriften am Standort zu prüfen und einzuhalten. Die TWI-Markierungen in der Reifenflanke entsprechen nicht immer exakt den gesetzlichen Grenzen.
- Alter: Reifen mit Alterserscheinungen sollten unabhängig von der Profiltiefe ersetzt werden. In Deutschland können Prüforganisationen wie DEKRA die Prüfzulassung verweigern, wenn Reifen älter als sechs Jahre sind, basierend auf dem Herstellungsdatum. Dieses ist im DOT-Code an der Reifenflanke angegeben: die letzten vier Ziffern zeigen Kalenderwoche und Jahr der Produktion an (z. B. 3520 = 35. Woche 2020).
- Beschädigungen: Sichtbare Risse, Wülste, tiefe Schnitte oder Einstiche sind Gründe für einen sofortigen Austausch, da sie die strukturelle Integrität und Sicherheit gefährden.
Wie wechselt man einen modernen Reifen: Schritt-für-Schritt
Dieser Abschnitt konzentriert sich auf klassische und moderne Motorradreifen. Die folgenden Schritt-für-Schritt-Anweisungen zeigen die korrekte Vorgehensweise beim Entfernen des alten Reifens und das Aufziehen eines neuen Reifens.
Benötigte Werkzeuge und Materialien:
- Neuer Reifen (richtige Größe und Bauart)
- Reifenheber (2 Stück für Hebelwirkung)
- Reifenabdrücker (oder große C-Klemme)
- Felgenschutzband (bei Verwendung eines Schlauches)
- Schlauch (falls erforderlich)
- Reifen(montage)-Seife
- Kompressor mit Druckmesser
- Ventilkern Werkzeug & Reifendruckmesser
- Auswuchtgewichte (bei Heimwuchtung)
- Auswuchtständer
- Drehmomentschlüssel (für Achs- bzw. Radschrauben)
- Handschuhe, Lappen
- Optional: Felgenschutz
Schritt 1: Vorbereitung des Rads
- Motorrad auf sauberer, ebener Fläche abstellen: Das Motorrad auf einer sauberen, ebenen Fläche abstellen und sicher mit einem Montageständer stützen.
- Rad ausbauen: Rad gemäß den Anweisungen im Werkstatthandbuch ausbauen.
- Luft ablassen: Die Luft des Reifens vollständig ablassen, indem der Ventileinsatz entfernt wird.
Schritt 2: Wulst lösen
- Wulst lockern: Mit einem Reifenabdrücker oder einer C-Klemme die Reifenwulst rund um die Felge lockern. Dabei beide Seiten des Reifens bearbeiten.
- Reifenwulst schmieren: Reifen-Seife auf die Wulst auftragen, um die Demontage zu erleichtern.
Schritt 3: Alten Reifen entfernen
- Felgenschutz positionieren (optional): Ein Felgenschutzband zwischen Reifenwulst und Felge legen, um die Felge vor möglichen Beschädigungen durch das Montiereisen zu schützen. Das Band wirkt als Puffer beim Heraushebeln der Wulst.
- Montiereisen ansetzen: Ein Montiereisen unter die Reifenwulst schieben. Die Wulst anheben und über die Felge heben, während die gegenüberliegende Seite der Wulst in das Felgenbett gedrückt wird.
- Zweites Montiereisen verwenden: Ein zweites Montierseisen etwa 15–20 cm entfernt ansetzen, um Hebelwirkung zu erzeugen. Alternativ kann ein zweiter Felgenschutz verwendet werden, der üblicherweise paarweise verkauft wird.
- Eine Seite der Wulst lösen: Rund um den Reifen arbeiten, bis eine Seite der Wulst vollständig von der Felge gelöst ist.
- Schlauch entfernen (falls vorhanden).
- Wulst auf der anderen Seite entfernen: Das Montiereisen (und ggf. Felgenschutz) auf der gegenüberliegenden Seite einsetzen und die Wulst ebenfalls lösen.
- Felgenzustand prüfen: Die Felge auf Beschädigungen oder Rost kontrollieren. Das Felgenschutzband bei Bedarf ersetzen.
- Felgenschutzband wechseln: Beim Austausch des Felgenschutzbandes die Gelegenheit nutzen, die Felgeninnenseite mit einem Lappen zu reinigen, nachdem das alte Band entfernt und bevor ein neues installiert wird. Darauf achten, dass die Felgeninnenseite trocken ist, bevor das neue Band aufgebracht wird, und das Loch im Felgenschutzband mit dem Ventilloch der Felge ausrichten.
Schritt 4: Vorbereitung des neuen Reifens
- Reifen Laufrichtung prüfen: Hat der Reifen einen Richtungspfeil, darauf achten, dass er beim Aufziehen mit der Drehrichtung des Rads übereinstimmt.
- Auswucht Punkt ausrichten (falls vorhanden): Einen eventuell vorhandenen “Balance Dot” (Punkt-Markierung) auf dem Reifen mit dem Ventilloch der Felge ausrichten.
- Reifenwülste schmieren: Die Wülste großzügig mit geeignetem Reifenmontagemittel einstreichen. Übrigens: Nur Wasser oder Spülmittel sind nicht ideal, da sie schnell verdunsten und nicht genügend Schmierung bieten.
Schritt 5: Reifen aufziehen
- Erste Wulst montieren: Bei den meisten Felgen kann die erste Wulst von Hand mit ausreichend Schmierung auf die Felge gedrückt werden.
- Schlauch einsetzen (falls erforderlich): Bei einem Schlauchrad den Schlauch flach einsetzen und das Ventil korrekt ausrichten. Eine Reifenventil-Angel erleichtert das Durchfädeln durch die Felge. Leichtes Aufpumpen kann helfen, den Schlauch richtig zu positionieren. Den Schlauch erst vollständig aufpumpen, wenn er korrekt liegt, um Quetschungen zu vermeiden.
- Zweite Wulst aufziehen: Die zweite Wulst über die Felge arbeiten und gleichzeitig die bereits montierte erste Wulst in das Felgenbett drücken. So entsteht genügend Platz, um die zweite Wulst ohne übermäßige Kraft aufzuziehen. Reifenheber für Hebelwirkung verwenden, bei Bedarf sanft mit Knie oder Händen nachhelfen. Ständig überprüfen, dass der Schlauch nicht zwischen Wulst und Felge eingeklemmt wird.
Schritt 6: Aufpumpen und Wulst setzen
Vor dem Aufpumpen den Reifen sauber auf der Felge ausrichten. Beim Aufziehen verschiebt sich das Ventil oft leicht - eine jetzige Korrektur spart Zeit beim Auswuchten.
- Reifen aufpumpen: Den Reifen auf den maximal zulässigen Druck aufpumpen, um die Wülste richtig zu setzen. Bei schlauchlosen Reifen hört man ein deutliches „Ploppen“, wenn die Wülste in die Felge einrasten.
- Tipp für schlauchlose Reifen: Für ein leichteres Aufsetzen kann eine Hochdruckpumpe oder eine Reifenmontiermaschine mit Impuls-Luft verwendet werden.
- Schrittweises Aufpumpen: Langsam aufpumpen, damit Ventil und Wülste korrekt sitzen. Talkum kann helfen, die Reibung zwischen Schlauch und Reifen zu reduzieren. Schnelles Aufpumpen vermeiden, da sonst der Schlauch gequetscht oder beschädigt werden kann.
- Druck anpassen: Nach dem initialen Aufsetzen ggf. Luft ablassen und auf den in dem Werkstatthandbuch vorgeschriebenen Betriebsdruck bringen.
Schritt 7: Wuchten und Rad wieder einbauen
- Laufgenauigkeit prüfen: Rad drehen und auf übermäßiges „Wobbeln“ prüfen, das auf falsches Aufsetzen oder eine verbogene Felge hinweisen kann.
- Rad wuchten: Rad auf einen Wuchtständer setzen und möglichst genau ausbalancieren. Verwenden Sie bei Bedarf Auswuchtgewichte.
- Rad wieder einbauen: Rad am Motorrad montieren und alle Schrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
- Probefahrt durchführen: Vorsichtige Probefahrt machen, um sicherzustellen, dass der Reifen korrekt läuft und das Rad sauber spurt.
Müssen neue Reifen eingefahren werden?
Ja - neue Reifen brauchen eine sanfte Einfahrphase. Geeignete Reifen für Harley-Davidson-Motorräder, wie sie z. B. im W&W-Cycles-Sortiment zu finden sind, werden mit einem Trennmittel auf der Lauffläche gefertigt, um die Herstellung zu erleichtern. Dieser Rückstand macht die Oberfläche in den ersten Kilometern rutschig.
In den ersten ca. 100 km sollte daher vorsichtig gefahren werden: harte Bremsmanöver, aggressive Kurvenfahrten oder starkes Beschleunigen vermeiden. So kann das Trennmittel abgetragen werden und der Reifen erreicht gleichmäßigen Grip und stabile Fahreigenschaften. Sobald die Oberfläche „gereinigt“ ist, liefert der Reifen seine optimale Performance unter normalen Fahrbedingungen.
Warum verliert mein Motorradreifen ständig Luft?
Alle Motorradreifen verlieren mit der Zeit von Natur aus Luft - das ist normal. Beobachte am Anfang, wie sich dein Reifen verhält: ein typischer Luftverlust zeigt sich meist nach 1-4 Wochen, abhängig von Reifen- und Schlauchkonfiguration.
Wenn der Reifen jedoch schneller Luft verliert als üblich, liegt wahrscheinlich ein langsames Leck vor. Häufige Ursachen sind:
- Ein kleiner Einstich durch Nägel, Glasscherben oder andere spitze Gegenstände.
- Ein defekter Ventildeckel oder Ventileinsatz. Schläuche werden meist mit Kunststoff-Ventilkappen geliefert. Der Austausch gegen verschraubbare Ventilkappen aus Metall sorgt für bessere Dichtheit und weniger Verschleiß.
- Eine mangelhafte Abdichtung zwischen Reifen und Felgen, oft verursacht durch Korrosion oder ungenaues Aufziehen. Besonders relevant bei schlauchlosen Reifen, da auch neue Reifen Luft verlieren können, wenn die Wulst nicht perfekt sitzt.
Um das Leck zu finden, den Reifen aufpumpen und mit Seifenwasser einsprühen. An der Stelle, wo Luft entweicht, bilden sich Blasen. Regelmäßiges Prüfen des Reifendrucks und Sichtkontrollen auf Schäden helfen, überdurchschnittlichen Luftverlust zu vermeiden. Wenn die Ursache nicht eindeutig ist, sollte ein Fachmechaniker das Rad überprüfen, um Sicherheitsrisiken auszuschließen.
Wie finde ich den richtigen Reifendruck für mein Motorrad?
Die korrekten Werte stehen in der Betriebsanleitung oder auf einem Aufkleber am Schwingarm oder Rahmen - besonders üblich bei Motorrädern in den USA. Nicht auf die Reifenflanke verlassen: Dort ist nur der maximale Druck angegeben, nicht der empfohlene.
Motorräder haben meist unterschiedliche PSI-Werte für Vorder- und Hinterrad, die sich ändern können, wenn mit Sozius oder Gepäck gefahren wird. Den Reifendruck immer bei kalten Reifen messen, also bevor das Motorrad bewegt wird.
Reifen, Kleinteile und Zubehör von W&W Cycles
Alles klar, dann machen wir dich startklar. Bevor du dich mit einem frischen Satz Reifen, Felgen oder Schläuchen auf deine Harley setzt, lohnt es sich zu wissen, wo du das passende Material findest, ohne den Überblick zu verlieren.
Starte in der Kategorie Räder, wo Reifen übersichtlich nach Größe, Profil oder Marke sortiert sind. Dort findest du auch Ersatzteile für das Rad, inklusive Felgen, Speichen, Lager, Achsmuttern und anderen Kleinteilen, die oft übersehen werden.
Für den Reifenwechsel lohnt sich ein Blick ins Spezialwerkzeug für Räder - hier gibt es alles, was du für einen effizienten und präzisen Reifenwechsel benötigst. Mit den richtigen Werkzeugen und Teilen kannst du die Wartung der Harley-Räder souverän und professionell erledigen.