Die Batterie in einem Harley-Davidson Motorrad finden, laden und wechseln
Wozu brauche ich eine Batterie in meiner Harley?
Die Batterie sammelt elektrische Energie, die nicht für Zündung und Licht oder andere elektrische Verbraucher benötigt wird und gibt sie wieder ab, z.B. beim E-Start. Wiederaufladbare Batterien heißen auch Akkumulatoren, kurz: Akkus. Es gibt sie in verschiedenen Typen und Ausführungen.
Was für Batterien gibt es bei Harley-Davidson?
Es gibt zwei unterschiedliche Spannungen: 6 V und 12 V. Dazu muss man aber wissen, dass das nur ungefähr die Spannungen sind. Man sagt „Nennspannung“ dazu. An einer vollgeladenen 6 V Batterie misst man 6,3 – 6,4 V, an einer vollgeladenen 12 V Batterie 12,7 – 12,8 V. Misst man nur 6 V bzw. 12 V, muss die Batterie dringend nachgeladen werden. Wie das geht steht weiter unten.
6 V Batterien haben alle Harley-Davidson Motorräder bis Mitte der 1960er.
12 V Batterien haben alle Harleys ab Mitte der 1960er. Hier die Übergangsjahre:
- Servi-Car ab 1964
- F(LH)-Modelle ab 1965
- Sportster-Modelle ab 1967
Alle danach eingeführten Modellreihen haben 12 V Batterien.
Als Original-Ausrüstung haben alle Harleys Bleibatterien. Bleibatterien sind bewährt und günstig, aber schwer. Um hohe Ströme für E-Starter zu liefern, müssen sie sehr groß sein.
Im Zubehör gibt es Lithium-Ionen-Batterien, z.B. von Antigravity. Sie zeichnen sich durch geringes Gewicht und kompakte Abmessungen aus und liefern gleichzeitig sehr hohe Ströme.
AGM-Batterien, Gel-Batterien, sind das geeignete Batterien für Harley-Davidson?
Harley-Davidson verwendet seit Ende der 1990er ab Werk nur noch AGM-Batterien.
AGM- und Gel-Batterien gehören zu den Bleibatterien. D.h. innen drin befinden sich Platten aus Blei und Blei-Oxid und dazwischen Schwefelsäure als Elektrolyt. Der Unterschied zu anderen Batterien ist der: die Schwefelsäure ist nicht flüssig, es schwappt nichts rum, es kann nichts auslaufen.
Bei AGM-Batterien ist die Säure in Glasfaservlies-Matten gebunden, die sich zwischen den Bleiplatten befinden. Bei Gel-Batterien ist die Schwefelsäure mit Kieselsäure zusammen als Gel verdickt.
Beide Batterien sind wartungsfrei: man kann nichts nachfüllen. Die Spannung kontrollieren sollte man trotzdem ab und zu, besonders wenn man länger nicht fährt. Beide Batterie-Typen kann man übrigens auch geneigt einbauen.
Welche Batterie für welches Harley-Modell?
Auf den Batterien in euren Harleys stehen Nummern und Codes, und mit denen findet ihr die passende Batterie. Diese Codes stehen für Spannung (6 oder 12 V), Kapazität (die Ah-Zahl), Abmessungen (Breite, Tiefe, Höhe), Lage des Plus- und Minus-Pols usw.
Wenn es eine originale Harley-Batterie ist, steht auch eine Ersatzteilnummer drauf. Wenn ihr die Nummer in die Suchfunktion auf unserer Webseite eintippt, gibt’s eine Auswahl passender Batterien: OEM, HVT, YUASA …
Wenn ihr eine Zubehör-Batterie verbaut habt, gebt ihr den Code in der Suchfunktion ein, also z.B. YTX20-BS. Dann bekommt ihr eine Auswahl angezeigt.
Hier noch eine Liste der häufigsten Batterien:
- 66000207 — 12V/18Ah — Sportster 1997-2003, Softail und Dyna 1997-2016
- 66000208 — 12V/12Ah — Sportster 2004-2021
- 66000209 — 12V/19Ah — FXE, FXR, Sportster 1979-1996, Softail 1984-1990
- 66000210 — 12V/22Ah — Touring Modelle bis 1996
- 66000211 — 12V/19Ah — Softail und Dyna 1991-1996
- 66000212 — 12V/28Ah — Touring Modelle ab 1997
Wo ist die Batterie in meiner Harley-Davidson?
Bei Harleys im Originalzustand oder weitgehend originalen sitzt die Batterie irgendwo unterhalb des Sitzes. Wo genau, ist abhängig vom Modell.
- Ganz alte Modelle bis Mitte der 1930er Jahre und 750er Modelle noch bis Anfang der 1950er: Zwischen Hinterradschutzblech und dem Rahmenrohr, in den sich die Sitzfederung befindet, ist der Batteriekasten aus Blech.
- Modelle ab Mitte der 1930er bis Mitte der 1960er mit Horse-Shoe-Öltank und Softails mit Evo- oder Twin Cam-Motor: die Batterie sitzt im Öltank. Sitz hochklappen oder abschrauben, dann seht ihr sie.
- K-Modelle und Sportster: unterhalb vom Sitz, linke Seite.
- Electra-Glide und FX-Modelle: unterhalb vom Sitz, rechte Seite.
- FXR-Modelle: hinter dem Öltank unter dem Sitz, Sitz ist zum Hochklappen.
- Dyna-Modelle: unterhalb des Sitzes, rechte Seite.
- Servi-Car mit Elektrostart: unter dem Kasten.
Wie pflege ich die Batterie meiner Harley-Davidson?
Bei älteren Harley-Davidson Motorrädern, bei denen Säure-Batterien mit Stöpseln eingebaut sind, muss das Säureniveau gecheckt werden. Je öfter ihr fahrt, desto öfter. Wenn nachgefüllt werden muss, nur mit destilliertem Wasser. Es ist nur der Wasseranteil der Säure, der ausgast.
Wenn die Harley lange steht, kontrolliert ihr die Spannung mit einem Voltmeter. Nachladen bei Messungen von weniger als 12,6 V bei 12 V-Batterien bzw. 6,3 V bei 6 V-Batterien. Batteriepole von Zeit zu Zeit säubern, gerne etwas Polfett auf die Pole und Kabelösen. Das dient als Korrosionsschutz.
Neuere Harley-Davidsons haben wartungsfreie Batterien. Da kannst du nichts nachfüllen. Wenn die Harley beim E-Start schwächelt oder wenn sie länger steht: Spannung kontrollieren. Bei weniger als 12,6 V nachladen. Wie das geht, steht weiter unten.
Harley-Davidson Batterie abklemmen
Macht man eigentlich nur, wenn man längere Zeit nicht fährt, also normalerweise den Winter über, oder natürlich zum Ausbau der Batterie.
Lässt man die Batterie im Bike, dann reicht es, das Minuskabel („Massekabel“) vom Minuspol zu lösen.
Zum Ausbau klemmt man natürlich beide Kabel ab. Ausbau siehe nächster Punkt.
Wer ein Kabel ab macht, muss es irgendwann wieder dran schrauben. Alle Pol-Schrauben (egal ob M6 oder M5, ob Kreuzschlitz- oder Sechskant-Kopf) nicht mehr als etwas über handfest anziehen. Wer es gerne in nackten Zahlen hat: 5 Nm. Und für alle „Zöllner“: 30 lbs-in.
Harley-Davidson Batterie ausbauen
Du schraubst die beiden dicken Kabel an den Batterie-Polen ab. Immer zuerst das Kabel am Minuspol. Welcher Pol welcher ist, steht daneben auf dem Gehäuse der Batterie. Dann erst den Pluspol. Der hat sogar ein rotes Käppchen, wenn es der Vorbesitzer nicht verloren hat.
Dann löst du das Gummiband oder schraubst das Halteband aus Stahl ab und hebst die Batterie aus ihrem Halter.
Tipp: Bei Softails oder FXR-Modellen hat ein kluger Mensch schon mal ein dünnes Band oder einen Kabelbinder um die Batterie gelegt. Daran kann man die Batterie einfach aus ihrem Schacht ziehen. Wenn nicht, machst du das einfach selbst vor dem Einbauen.
Harley-Davidson Batterie laden
Du musst die Batterie nicht unbedingt ausbauen, um sie zu laden. Wenn du deine Batterie im eingebauten Zustand laden willst, musst du aufpassen, dass die Klemmen deines Ladegeräts kein Metall berühren. Wenn du deine Batterie zum Laden nicht aus deiner Harley-Davidson ausbauen willst, ist es gut, ein Ladekabel mit SAE-Stecker einzubauen. Dann steckst du dein Ladegerät einfach da ein. Zuerst ans Ladekabel, dann in die Steckdose.
Ohne solch ein Kabel baust du die Batterie zum Laden am besten aus. Such dir einen trockenen Platz und schließe sie ans Ladegerät an. Zuerst die rote Klemme an den Pluspol, dann die schwarze Klemme an den Minuspol, dann das Ladegerät an die Steckdose.
Wenn das Ladegerät anzeigt, dass die Batterie voll ist, Laden beenden und Gerät abklemmen. Nicht wochenlang am Ladegerät hängen lassen. Ein Batteriehersteller schreibt dazu: „Unnötiges Laden verkürzt immer die Batterielebensdauer, selbst dann, wenn du ein darauf ausgelegtes Ladegerät zur Erhaltungsladung verwendest.“
Welches Ladegerät brauche ich für meine Harley-Davidson Batterie?
Am besten ein elektronisches mit LED-Anzeigen. Es gibt welche, die für Bleibatterien (Normal, Gel, AGM) geeignet sind, und welche, die für Lithium-Ionen-Batterien geeignet sind. Und sogar welche für beide Batterie-Typen.
Warum ist die Batterie von meiner Harley-Davidson ständig leer?
Motorrad-Batterien, die ständig leer sind, werden nicht richtig nachgeladen. Zwei Dinge können die Ursache sein:
- Die Batterie ist schon nicht richtig voll geladen, wenn die Harley abgestellt wird. Fährst du nur kurze Strecken? Lässt du die Harley öfter in der Garage an, um den Kumpels zu zeigen wie geil sie klingt? Nach einem E-Start, womöglich mit Orgeln weil die Harley nicht gleich anspringen wollte, solltest du möglichst eine längere Strecke fahren. 20 – 30 km mindestens, damit die Batterie wieder voll wird. Die Lichtmaschine tut zwar ihr Möglichstes, um die Batterie wieder voll zu laden, aber gib ihr Zeit. Und gib auch Drehzahl — je höher die Drehzahl, desto besser die Ladung. Schon deshalb sollten es wenigstens 20 km sein, damit der Motor warm werden kann. Denn einen kalten Motor dreht man nicht unnötig hoch.
- Die Batterie wird aber auch nicht richtig geladen, wenn sie defekt ist. Dann ist es höchste Zeit, sie zu tauschen. Sonst geht als nächstes der Regler kaputt. Ob eine Batterie defekt ist, kann man mit Messgeräten testen.
- Die Batterie entlädt sich von selbst. Dann ist sie entweder defekt (ein Test wird es zeigen) oder du hast heimliche Stromfresser in deiner Harley-Davidson. Die Alarmanlagen der ersten Twin Cam-Baujahre waren solche Stromfresser. Nach spätestens vier Wochen war eine Softail-Batterie leergezuzelt. Die Instrumente neuerer Bikes haben Dauerstromversorgung, z.B. damit die Uhr läuft. Kleine Defekte im Kabelbaum oder in elektronischen Bauteilen können auch solche heimlichen Verbraucher sein, auch Toleranzen bei den Bauteilen von elektronischen Komponenten.
Wie lange hält eine Batterie in der Harley-Davidson?
Allgemeingültige und verlässliche Angaben dazu sind schwer zu machen. Man kann aber versuchen, der Batterie das Leben so angenehm wie möglich zu machen.
Hier ein paar Dinge, die das Leben der Batterie in eurer Harley verkürzen:
- schlechter Schutz gegen Vibrationen
- häufige Kurzstreckenfahrten mit vielen E-Starts
- sich nicht um die Batterie kümmern
- Batterie am Ladeerhaltungsgerät dauerladen
- Batterie passt nicht zum Regler (zu kleine Batterie, permanente Überladung beim Fahren)
- Hitze
Und hier ein paar Dinge, die dafür sorgen, dass die Batterie in eurer Harley länger lebt:
- guter Schutz gegen Vibrationen
- regelmäßig fahren
- Langstreckenfahrten
- Kontrolle der Ladung alle 4 – 6 Wochen
- bei langen Standzeiten zwischendurch nachladen
- Sauberkeit im Batteriekasten, saubere Pole und Anschlüsse
Starthilfe: Kann ich meine Harley-Davidson fremdstarten?
Du hast nicht immer Zeit zu warten, bis ein Ladegerät deine Batterie wieder voll macht. Du kannst deine Harley deshalb fremdstarten, klare Sache. Ein paar Tipps, damit nichts schiefgeht:
- Wenn du vom Auto startest, sollte das Auto dabei nicht laufen. Auto-Lichtmaschinen liefern hohe Ströme, die der Elektrik in der Harley nicht guttun. Einfach zuerst mit dem roten Überbückungskabel die Plus-Pole von Auto und Motorrad verbinden. Dann mit dem schwarzen Überbrückungskabel einen Massepunkt im Auto mit einem Massepunkt an der Harley (z.B. Motorgehäuse, Zylinderrippen, Motorhalteschraube) verbinden. Sobald die Harley läuft, zuerst das schwarze Kabel trennen und dann das rote. Harley nicht gleich wieder abstellen, sondern gute 50 km fahren.
- Wenn du vom Motorrad startest, sollte dieses laufen. Dann wieder zuerst das rote Kabel an die beiden Pluspole und dann das schwarze Kabel an die beiden Minuspole oder wie beschrieben an Massepunkte anklemmen. Sobald deine Harley läuft, zuerst wieder die Kabel abmachen (zuerst schwarz, dann rot) und eine längere Strecke fahren. 50 km sind angemessen.
- Es gibt eine dritte Möglichkeit: mit einem Jump-Starter auf Lithium-Ionen-Basis. Gerät mit dem roten Kabel an den Plus-Pol deiner Harley-Batterie und mit dem schwarzen Kabel an den Minus-Pol anschließen. Gerät einschalten, Harley-Zündung an, starten. Gerät unmittelbar wieder abklemmen: zuerst das schwarze Kabel, dann das rote Kabel. 50 km fahren, um die Batterie deiner Harley wieder vollzuladen.
- Alle gängigen Jumpstarter haben eine kleine Schutzelektronik, damit die Elektronik deiner Harley keinen Schaden nimmt. Gerade für Bikes mit CAN-Bus (= HDLan) ist der Jumpstarter die beste Alternative.