Zündkerzen einstellen und wechseln an Harley-Davidson Motorrädern
Was ist die Aufgabe einer Zündkerze in einem Harley-Davidson-Motorrad?
Harley-Davidson V2- und Einzylindermotoren verbrennen ein Luft-Kraftstoff-Gemisch. Damit die Verbrennung jedes Mal zum richtigen Zeitpunkt startet, wird zwischen den Elektroden der Zündkerze ein Funke erzeugt — z. B. bei 3.000 U/min der Kurbelwelle 25 Mal pro Sekunde.
Durch diese anspruchsvolle Aufgabe nutzen sich Harley-Davidson-Zündkerzen unvermeidlich ab und müssen von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden. Abgenutzte oder defekte Zündkerzen können schlechtes Startverhalten, unrunden Motorlauf und Probleme bei der Abgasuntersuchung verursachen.
Zündkerzen-Technik, nur die Grundlagen
Zündkerzen werden in verschiedenen Ausführungen angeboten. Die Grundbestandteile sind jedoch bei allen gleich:
- eine einzelne Mittelelektrode, die mit einem Anschluss verbunden ist
- ein keramischer Isolator, gasdicht in einem
- mit Gewinde versehenen Stahlgehäuse, das ein Sechskantprofil trägt
- ein oder mehrere Masseelektroden sind an diesem Gehäuse verschweißt
Hier die wichtigsten Unterschiede:
- die Mittelelektrode und der obere Anschluss können durch einen Widerstand zur Funkentstörung verbunden sein
- die Mittelelektrode variiert in der Länge, die in die Brennkammer ragt
- das Stahlgehäuse unterscheidet sich in Sechskantgröße, Gewindedurchmesser und -länge sowie in der Sitzfläche, die die Abdichtung am Zylinderkopf gewährleistet
Die Länge der Mittelelektrode und ihres keramischen Isolators sowie der Abstand zum Stahlgehäuse beeinflussen die Wärmeaufnahme der Zündkerze. Die Kontaktfläche zum Zylinderkopf (Gewinde, Sitz) bestimmt die Wärmeabgabe. Deshalb spricht man von „heißen“ und „kalten“ Zündkerzen.
Harley-Davidson Zündkerzen Wärmewerte reichen von #2 (heiß) bis #12 (kalt).
Einfach gesagt: Je mehr Leistung ein Motor erzeugt, desto kälter sollten die Zündkerzen sein. Deshalb verwendet ein Modell J von 1926 Zündkerzen der Stufe #2, während hochverdichtete Buell- und V-Rod-Modelle Zündkerzen der Stufe #10-12 nutzen.
Wie wähle ich Zündkerzen aus
Die Zündkerze muss zunächst einmal in die Gewinde des Zylinderkopfes passen. Achten Sie auf:
- Gewindedurchmesser (14, 12 oder 10 mm bei neueren Harleys, 18 mm bei Motorrädern aus Mitte 20er bis Mitte 50er, 7/8” bei serienmäßigen Harleys vor 1926)
- Gewindelänge (variiert von 3/8” bis 3/4”)
- Sitz (flach mit Dichtring oder konisch)
Zu langes Gewinde: Die Gewinde, die in die Brennkammer ragen, werden ausgeglüht und lassen sich nur schwer wieder herausschrauben. Der herausragende Teil kann von einem Kolben mit hohem Dom beschädigt werden.
Zu kurzes Gewinde: Der Funke entsteht in einer Nische, die Verbrennung wird verlangsamt, das kann zu einer Überhitzung des Motors führen. Die Gewinde von Aluminiumzylinderköpfen, die nicht von der Zündkerze überdeckt werden, werden thermisch überlastet. Kohle setzt sich ab, die nur schwer wieder zu entfernen ist.
Als Nächstes achtet man darauf, wie weit die Mittelelektrode in den Brennraum ragt. Weiter hineinragende Elektroden zünden das Luft-Kraftstoff-Gemisch besser. Ragt sie zu weit heraus, kann der Kolben im oberen Totpunkt die Zündkerze treffen.
Dann checkt und vergleicht man den Wärmewert der Zündkerze.
Wer es auf einen Blick haben will: Einen Blick ins Handbuch deines Bikes werfen oder in das Harley-Davidson Service-Handbuch schauen. Dort steht die von Harley-Davidson empfohlene Zündkerze.
Ich will das Optimum: Welche Zündkerzen sind die besten für meine Harley-Davidson?
Es gibt kaum so oft diskutierte Themen wie das „richtige“ Motoröl und die „richtige“ Zündkerze. Von Zeit zu Zeit taucht eine neue Marke auf, die das ultimative Produkt verspricht. Aber besser, man bleibt da ruhig, sucht nach unabhängigen und belastbaren Studien und wenn man nichts findet — tja … Es ist so: ganz gleich, ob ein Zündkerze zwei, drei oder sogar vier Masseelektroden hat: Bei jedem Zündimpuls gibt es nur einen Funken.
Es kursieren viele Gerüchte über „die richtige Marke“ und die „einzige wahre“ Zündkerze. Am Ende des Tages gibt es eben eine Zündkerzenmarke, die generell empfohlen werden kann: die, die der Motorenhersteller empfiehlt und verwendet. Bei Harley-Davidson-Motorrädern also die in den USA gefertigte Harley-Davidson-Zündkerze.
Für alle älteren Motorräder, für die der Hersteller keine Originalzündkerzen mehr liefert, haben sich Champion-Zündkerzen als zuverlässige Alternative erwiesen. Daher sind Champion-Zündkerzen unsere Wahl, wo H-D-Zündkerzen nicht verfügbar sind.
Wann sollte ich die Zündkerzen meiner Harley-Davidson wechseln?
Als verschleißanfällige Bauteile sollten Zündkerzen regelmäßig überprüft und gegebenenfalls gewechselt werden.
Mindestprüfintervalle laut Harley-Davidson:
- alle 3.000 – 4.000 km für Pre-Evolution-Modelle
- alle 8.000 km für Evolution Sportster- und Big-Twin-Modelle, Twin Cam-Modelle
Im Zweifel tauscht man die Zündkerzen. Der Preis einer Zündkerze ist es nicht wert, Risiken einzugehen. Bei jedem zweiten Check ersetzt man die Zündkerzen unabhängig von ihrem Zustand. Defekte Zündkerzen können nicht nur Leistungsverlust und Startprobleme verursachen, sondern auch Zylinder und Köpfe in Mitleidenschaft ziehen.
Vorbereitungen zum Austausch
Lege die folgenden Dinge parat:
- Stecknuss und Ratsche
- Drehmomentschlüssel im passenden Bereich
- Druckluft (Dose oder Druckluftpistole)
- Bremsenreiniger
- Lappen
- Fühlerlehren
Sicher stellen, dass der Motor ausreichend abgekühlt ist. Zündschalter muss auf AUS stehen. Der Bereich um den Kerzensechskant muss sauber sein. Bremsenreiniger und Druckluft und/oder einen Lappen zur Reinigung verwenden.
Wie man die Zündkerzen der Harley-Davidson auswechselt
Wie oben erwähnt, sollten die Zylinderköpfe abgekühlt sein. Kaum etwas wird leichter beschädigt als ein heißes Zündkerzengewinde.
Vorsichtig den Kerzenstecker abziehen und die Stecknuss auf die Zündkerze aufsetzen. Gut aufdrücken, da der Einsatz innen in der Stecknuss die Kerze festhalten soll. Er schützt den Isolator beim Drehen der Stecknuss und hält die Zündkerze beim Herausziehen aus dem Sitz oder beim erneuten Eindrehen. Die Stecknuss nicht schräg ansetzen, sonst kann der Isolator brechen.
Die Zündkerze lösen und herausschrauben.
Genau überprüfen und im Zweifel ersetzen.
Beim Wiedereinsetzen darauf achten, das Zündkerzengewinde korrekt auf die Aufnahmegewinde im Zylinderkopf zu setzen. Die meisten Gewindeschäden entstehen an diesem Punkt – nimm dir also Zeit.
Wenn die Zündkerzevon Hand vollständig eingedreht ist, nach den Drehmomentangaben von Harley-Davidson anziehen:
- 14 mm Gewinde in Gusszylinderköpfen: 18 - 28 ft-lbs = 24 - 38 Nm
- 14 mm Gewinde in Aluminiumzylinderköpfen: 18 - 22 ft-lbs = 24 - 30 Nm
- 12 mm Gewinde: 11 - 18 ft-lbs = 15 - 24 Nm
- 10 mm Gewinde: 89 - 133 in-lbs = 10 - 15 Nm
Bei Pannen oder Notfallchecks am Straßenrand kann man statt einer Stecknuss einen 11/16” Ringschlüssel verwenden. Grundsätzlich kein Problem, aber Vorsicht: Schon ein leichter Kontakt kann den Isolator beschädigen. Wenn es „kling“ macht, ist es zu spät.
Wenn kein Drehmomentschlüssel zur Hand ist, zieht man die Zündkerze wie folgt an:
- Neue Zündkerze mit unbenutztem Dichtring: 90° = 1/4 Umdrehung
- Gebrauchte Zündkerze mit gequetschtem Dichtring: 45° = 1/8 Umdrehung
Pflege und Wartung der Zündkerzen am Motorrad
Den Bereich um den Zündkerzen-Sechskant am Motor regelmäßig reinigen. In diesem Bereich sollte sich möglichs kein Schmutz ansammeln.
Den Zündkerzenstecker regelmäßig abziehen und überprüfen. Die Gummilippe mit Silikonfett oder Ähnlichem bestreichen, um den Stecker spritzwasserdicht zu halten.
Die herausgeschraubte Zündkerze auf Ruß und Überhitzungsspuren überprüfen.
- Ruß auf dem Gewindeende und dem Isolator weist auf ein zu fettes Luft-Kraftstoff-Gemisch hin.
- Ein kleiner bläulicher Ring um die Masseelektrode an der Biegung ist normal. Eine komplett blau angelaufene Masseelektrode deutet auf Überhitzung hin. Zündzeitpunkt und/oder Luft-Kraftstoff-Gemisch prüfen.
- Heutige bleifreie Kraftstoffe machen das Ablesen der Zündkerze schwieriger. Der Isolator sollte eine gleichmäßige graue Färbung mit einem kleinen bräunlichen Ring um die Mittelelektrode zeigen. Nein, rehbraun ist heutzutage keine Zündkerzenfarbe mehr.
Den Elektrodenabstand prüfen. Zum Einstellen nur die Masseelektrode leicht biegen. Keinesfalls die Mittelelektrode zu diesem Zweck berühren. Harley-Davidson empfiehlt folgende Abstände:
- .020” (0,5 mm) für Magnetzündungen
- .025 … .030 (0,65…0,75 mm) für Batterie-Zündungen und Kurzgewinde-Zündkerzen (Flatheads, Knuckleheads, Panheads, Iron Head Sportsters und Shovelheads →1978)
- .038-.043 (0,95…1,10mm) alle Big Twins 1979→ (inkl. Shovel, Evolution, Twin Cam) und Sportster 1980→
- .060 (1,50 mm) nur für 1979er Sportster mit N° 4 Zündkerzen
Darauf achten, eine Zündkerze nicht fallen zu lassen. Einmal zu Boden gefallen, muss sie ersetzt werden. Der Isolator besteht aus Keramik; jeder Schlag kann unbemerkte Risse verursachen.
Ruß mit einer Metallbürste zu entfernen ist eher was für Notfälle am Straßenrand. Wenn überhaupt, bitte Messingbürsten verwenden. Allerdings muss man daran denken, dass selbst weiche Messingbürsten auf dem Isolator Metallspuren hinterlassen können, die dazu führen, dass der Funke entlang dieser Spuren kriecht, anstatt am Elektroden-Luftspalt überzuspringen.
Wo bekomme ich Zündkerzen für Harley-Davidson Motorräder?
Zündkerzen für luftgekühlte klassische V-Twin-Harley-Davidson-Motoren und Vintage-Einzylinder findest du unter Zündung/Zündkerzen. OEM-Referenznummern, Wärmestufen und Modellanwendungen, ergänzt durch Gewindegröße und Sechskantinformationen.
Nutze diesen Bereich, um die passenden Zündkerzen für Ihr Modell F und J, Ihren Flathead oder Knucklehead, Ihren Panhead und Shovelhead, Evolution- oder Twin Cam-Motor zu finden.
Um alle Werkzeuge für einen reibungslosen Zündkerzenwechsel am Motorrad zu finden, wirf einen Blick in unsere Kategorie Werkstatt, Garage & Werkzeuge. Vielleicht inspiriert sie dich auch zu weiteren Wartungsarbeiten. Und unsere Tech Tipps könnten genau die Infos sein, die du dazu noch brauchst.