Sekundärkette an einer Harley-Davidson ersetzen
Das Checken und Justieren der Sekundärkette ist eine 1000 Meilen-Routine und entsprechend kommt irgendwann der Punkt, wo nicht mehr viel ist mit Justieren und man doch lieber eine neue Kette hätte. Zu lernen wie man die Sekundärkette an einer Harley-Davidson wechselt ist kein Hexenwerk, wenn das Werkzeug stimmt und die Konzentration.
Wir haben uns erlaubt, am Ende unserer Checkliste alle für eine saubere und zuverlässige Arbeit hilfreichen, sinnvollen bzw. notwendigen Gerätschaften, Teile und Werkzeuge bestellbereit aufzulisten.
Na, dann mal los:
1) Bike aufbocken,
so dass das Hinterrad frei drehen kann. Falls Bierkiste in Gebrauch, hilft unser Becker Minilift, 97-441.
2) Kette NOCH NICHT ausbauen.
3) Anzahl der Kettenglieder feststellen.
Steht im Handbuch (Handbücher sind eine äusserst hilfreiche Sache, auch für ausgebuffte Dauerschrauber) wobei man es ja immer mit einem Chopper zu tun haben kann, der schon umgebaut wurde. Sichere Sache: alte Kette abzählen. Wer dabei deutlich über 150 kommt: jedes Glied nur einmal zählen ;-) Unsere Ketten haben zwischen 100 und 120 Glieder.
Praktische Hilfe: eine Markierung mit Schnur, Marker oder Draht... trotzdem lieber zweimal zählen.
4) Kette bestellen:
Entscheide dich für die Art der Kette: Standard, O-Ring oder X-Ring? Im Zweifel: einfach bei W&W anrufen – wir beraten dich gern. Um Zeit am Telefon zu sparen, schicke uns am besten ein Nahaufnahmefoto deiner Kette und des Kettenschlosses. Wenn du kein Kettenschloss findest, handelt es sich um eine vernietete Kette.
Denn wir wollen, dass du beim ersten Mal die richtige Kette bekommst. Wenn du gerade nach Sekundärketten für Harley-Davidson Motorräder auf der Suche bist, schau in unserem Online-Shop vorbei.
Denn dann geht‘s los:
5) Falls nötig, Kette ablängen.
Die clevere Methode: Kellermann Trenn- und Nietwerkzeug 91-961 benutzen. Kette an abzuschneidendem Glied markieren (Doppelt checken!) Dann einfach weiter bei Punkt 10.
Wer‘s gerne etwas robuster hat:
6) Alternative Methode: Winkelschleifer
bereitlegen. Kette an abzuschneidendem Glied markieren (Doppelt checken!)
7) Kette in Schraubstock spannen.
Markierten Nietenkopf und den daneben (auf der Seite, die abfällt) bis aufs Blech durchschleifen.
8) Mit passendem Durchschlag
88-211 abwechselnd beide Niete durchtreiben. Verkanten vermeiden.
9.) Achsmutter lösen
und das Rad samt Achse nach vorne schieben
10) Kette öffnen, am besten hinten
am großen Kettenrad. Wenn beide Enden auf dem Kettenrad aufsitzen, steht das Schloss nicht unter Spannung. Alternativ mit Kettenzieher 98-087 leicht zusammenziehen. Zum Öffnen (eine Wasserpumpenzange hat sich bewährt) das Federblech vorsichtig in Richtung Laufrichtung wegschieben, dann abnehmen. Keine Gewalt.
11) Kettenschloss wegnehmen.
An einem Ende der alten Kette die neue Kette mit offenem Kettenschloss befestigen oder mit Draht anbinden. Die alte Kette vorsichtig herausziehen, die neue Kette folgt. Sicherstellen, dass die Kette über beide Ritzel läuft
12) Die beiden Enden der neuen Kette zusammenziehen,
mit dem Kettenzieher 98-087. Kettenspannung checken: Viel zu lose? Fehler beim Ablängen gemacht. Nochmal checken, kürzen. Zu eng? Achse lösen, nach vorne schieben.
13) Kettenschloss anbringen. Gegebenenfalls O-Ringe einbauen.
Auch hier machen das Kellermann Trenn- und Nietwerkzeug 91-961 und die enthaltene Anleitung das Leben leichter. Ansonsten: Lasche aufsetzen. Sicherungsfeder (geschlossene Seite in Laufrichtung) vorsichtig aufsetzen, und mit geeignetem Werkzeug (auch hier leistet eine Wasserpumpenzange gute Arbeit) vorsichtig gegen die Laufrichtung positiv einrasten. Hier bitte erhöhte Aufmerksamkeit, um schwerwiegende Nachwirkungen zu vermeiden.
14) Kettenspannung justieren:
Das Bike auf die Räder stellen und eine Hilfsperson auf das Motorrad setzen. Bei Starrrahmen sollte sich die Kette leicht um 12,5 mm bis 15 mm nach oben und unten bewegen lassen, bei Bikes mit Schwinge etwa 15 mm in jede Richtung (hoch/runter). Dabei auf die Fluchtung achten: Das Hinterrad muss parallel zur Fahrzeug-Längsachse stehen. Anschließend die Achsmutter wieder festziehen und das Drehmoment gemäß Handbuch verwenden.
Bingo. Guten Ritt.
Moment noch! Aus langjähriger Erfahrung möchten wir drauf hinweisen: obwohl bzw. weil es sich bei Harleys um fortgeschrittene Landmaschinentechnik handelt ;-) ist alles so konstruiert, dass nie rohe Gewalt angewendet werden muss - Kraft manchmal, ja, aber wenn‘s wirklich anstrengend wird oder es aber auch so überhaupt gar nicht will, ist meist irgendwas faul.
Dann lieber frühzeitig nochmal unsere Experten anfunken,
bevor wir den Schaden und dann die Diskussion haben.
Und hier unsere kleine Sammlung für die geschmeidige Kettenreaktion: