AMCA Meet, Raalte, NL
Das Paris-Geheimnis
Das AMCA Treffen 2026 im holländischen Raalte weckte den dringenden Verdacht, dass sich Verantwortliche der Motorradfirma Harley-Davidson im Oktober 1925 in Paris herumgetrieben haben. Und zwar auf der „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“ Diese Weltmesse der dekorativen Künste und des Kunsthandwerks war der Geburtsort des „Art Déco“. Eine legendäre Designrichtung, mit schwungvollen, eleganten Verbindungen von Formen und Farben. Sie fand sich schon kurz darauf im Design der Company wieder: Anfang der 30er Jahre erschienen bis dahin nicht gesehene Tankdesigns und mehrfarbige Lackierungen, geschwungene, fließende Linien an Tanks und Schutzblechen, Tachokonsole, Auspuffanlage - und auch Zubehörteile wurden „á la Mode“ gestaltet. Motorräder waren eben längst nicht mehr nur Fahrräder mit Motor und Tank, sondern Objekte, die sich auch über ihren Look verkaufen mussten. Die Konkurrenz war groß.
Eine spannende Epoche, die der Antique Motorcycle Club of America (AMCA)
einmal herausstellen wollte und „Art Déco“ zum Thema des Jahrestreffens 2026 machte.
Die Besucher aus ganz Europa, einige sogar aus den USA, erwartete in diesem Jahr also ein Farbenfestival sondergleichen. Neben den bereits genannten HDs gab es natürlich auch Vertreter von Indian und Henderson-Excelsior, sowie diverser anderer Marken mit Art Déco Anleihen.
Aber eben nicht so konsequent umgesetzt wie bei den Bikes der Motor Company: Ein 1933er oder 1934er V-Modell ist ein Hingucker sondergleichen und eine 1936er Knucklehead in Zweifarblackierung mit Airflow Rücklicht, wie die von Peter Reeves, in venetian blue/croydon creme, setzte zur damaligen Zeit weltweit Maßstäbe, optisch. Und darüber hinaus auch technisch. All diese Maschinen konnte der interessierte Besucher in Raalte auf dem Gelände des American Motorcycle Museum von Max Middelbosch in echt und aus nächster Nähe betrachten.
Noch genauer begutachtet wurden einige der Maschinen
von den jeweiligen Markenspezialisten des AMCA im Rahmen des sog. Judging, wo nach einem fest vorgegebenen Punkteschema die Originalität und technische Korrektheit bewertet wird. Geht immer los mit 100 Punkten und für jede Unkorrektheit gibt’s Abzüge. Zum Beispiel falscher O-Ring: 0,5 Punkte weniger. Und keine Chance: die Jungs entdecken alles.
Für die höchste Kategorie, den „Winner Circle“, muss sich der Restaurator schon gewaltig anstrengen und die Maschine mindestens dreimal dieser Prüfung unterziehen. Und dabei über 95 Punkte machen. Gratulation an Olivier Nerrant aus Frankreich, seine 1936er Knucklehead in teak red/black hat es geschafft in den Winners Circle. Lohn für harte Schraubarbeit.
Ach so, schrauben allein hilft nicht: um überhaupt zur Bewertung zugelassen zu werden, muss das vorgeführte Motorrad auf dem Platz anspringen. Ausnahmslos, keine Ausreden.
Bisschen schade, dass das Wetter nicht ganz so dekorativ war,
ehe so ne Art April. Aber es gab ja ein großes beheiztes Zelt und zwei Restaurants, die Burger, Bier, etc bereit hielten. Und Stärkung musste sein, um das angegliederte Swap Meet abzuscannen – noch größer als letztes Jahr und bestens besucht. Kein Wunder: Wer Teile für amerikanische Bikes sucht, insbesondere für Vorkriegsmodelle, kommt am AMCA Meet in Raalte nicht mehr vorbei. Dort gibt es auf 2000 qm mehr zu finden als auf der ganzen Veterama - und vor allem leichter. Fast schon ein Pflichttermin.
Die W&W Wrecking Crew wird jedenfalls auch 2027 im Mai wieder vetreten sein.
Danke für die Bilder, Horst Rösler, motographer.de