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The Trip Out, Euston Hall, GB

The Trip Out, Euston Hall, GB

Traditionen erfordern Opfer. Das gilt besonders für die regelmäßige Berichterstattung von Brexitaniens monumentalster Freiluft-Kumulation an mopedistischen Schraubexzessen und Altmetall-Erhaltungs-Aficionados: The Trip Out. Aber einer muss es ja machen. Und zwar unser Mann mit dem besten Grund, über Boattail-Shovels zu reden: einer Boattailshovel.

Angeworfen bei Sonnenaufgang spult die 83er Shovelhead ihre km ab, hin und wieder unterbrochen von den üblichen Nebenerscheinungen: kleinere Zündungsjustierungen, Fähre, Regenklamotten an, aus, an: Ah, England! Um genau zu sein: Euston Hall. Ein weitläufiges Anwesen aus dem 17. Jahrhundert, im Palladio-Stil, mit Kirche, Halle, Park, Gärten, Teichen, bizarren Schmuckgebäuden – nichts könnte besser hierher passen als das Einmann-Zelt eines Milwaukee-Eisen-Reiters.

Der Samstag beginnt niederschlagsfrei

am 9 o‘clock-Frühstücksstand mit Tee und einem freundlichen Einheimischen, mit dem sich trefflich über seine 71er Boattail-Shovel plauschen lässt. Ein perfekter Einstieg in den „Trip Out“-Samstag: eine Heerschar alter Pans, Knuckles, K-Modelle, Shovels in Üppe, Sportsters, Brit Bikes. Oldtimer. Veranstalter Andy potatert auf einem 80er Low Rider in gutem Zustand herum, stellt plaudernd den Leerlauf ein, guter Mann. Dito seine Frau Anna, die organistorische Herausforderungen vom Ausmass eines Kolbenfressers souverän meistert (Stichwort Miettoiletten) – Anna, Andy, ohne euren Trip Out wäre die Welt ein schlechterer Ort. Auch das Wetter leistet seinen Teil zum Glück und schenkt dem Fest eine laue Sommernacht mit hoher Sternendrehzahl. Die Schlangen an der Bierausgabe wachsen.

Entsprechend entwickelt sich das Partyzelt

zügig zu einer Dampfmaschine, in der die Geräuscherzeugung von Bands mit vielversprechenden Namen wie „Craig Shaw & The Excellos“, „Oh! Gunquit“, „Hipbone Slim“ optisch voluminös von den weltberühmten Meyer Dancers begleitet wird.

Beschallungsbedingt wird die Nachtruhe im Zelt etwas stotterig, aber mit aufhellendem Tag, nach einem kurzen Abschied vom partyzeltgeschädigten Zeltnachbar und vom 71er Boattail-Lexikon rumpelt die Shovel Richtung Dover, Fähre, Autobahn, wie die Tradition es verlangt.