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The Trip Out, Clopton, GB

The Trip Out, Clopton, GB

Was könnte passender sein als mit einer gesunden Portion Porridge auf einen zweirädrigen Ausflug nach Brexitannien zu starten. Bleibt die Frage „Warum mach ich das - und warum morgens um 4?“,

aber die Fähre ist gebucht und das Navi macht die Ansagen. Also Stöpsel ins Ohr, Helm auf und die Shovel angekickt. Nach den deutlich frösteligen Morgenstunden wärmt der erste Kaffee-, Kroissant- und Kraftstoff-Stop an der belgischen Grenze, später sorgen dann niedriger Spritstand und fehlende Tankstellen für innere Aufheizung. Doch freundliche Einheimische sorgen dafür, dass die Fähre mit wenig Zeitreserve aber vollem Tank erreicht wird.

Linksverkehr, Autobahn bis die Stimme im Ohr sagt,

es sei Zeit für die Nebenstrecken. Also Landschaft können sie, die Engländer. Die Shovel kurvt sich wie von selbst ans Ziel: einem Flugplatz aus dem zweiten Weltkrieg. Weitläufig, museal bespielt und mit den ganzen Trip Out Besuchern, die heranpratteln und wegbratzeln. Aus dem sonoren Brummeln der vielen Harleys und der anderen Maschinen ergibt sich ein recht authentischer, motoristischer Soundtrack.

Apropos motorisiert: was Trip Out so einzigartig macht, sind die Maschinen: echtes Zeug von echten Straßen. Bikes, denen man ansieht, dass sie gefahren werden. Ganz egal, ob Auspuffrohre dran sind, die den Flugverkehr ernsthaft beeinträchtigen könnten oder ob die Sportster aus den Sechzigern direkt aus der Scheune zum Trip Out gebraten wurde. Gut abgehangene Indians, frühe und späte Briten, kinngelenkgefährdende Japaner, blutdrucksteigernde Knuckle- und Panheads, Shovels überall, Sportster ohne Ende - wer hier nicht die Harley, das Motorrad der Träume findet, der hat soviel Benzinfieber wie ein Eimer lauwarme Buttermilch.

Wer sein Hitzeheil in der Bewegung suchte,

konnte sich auf die exzellente Bandauswahl der Veranstalter Anna & Andi verlassen: speziell Moto Vamp, The Snakerattlers and Admiral Sir Cloudesley Shovell und in den Pausen die fabulösen Meyer Dancers sorgten für Wärmewallungen an sämtlichen Körperstellen.

Leider war der Stauraum reisebedingt äußerst reduziert, so dass das den Bikes entsprechend reizvolle Swapmeet nicht gebührend abgegrast werden konnte. Aber so gab es immerhin auch kein unkalkuliertes Zusatzgewicht und die Shovel konnte den Rückbringdienst reibungslos absolvieren. Nur der Regenguss kurz vor der Haustür, der keine Chance zu rechtzeitigem Rückgriff auf respektable Regenkleidung zuließ, warf kurz wieder die Frage auf, die man schon auf der Hinfahrt hatte, als der Tank fast leer und die Fähre noch weit war: „Warum tu ich mir das an?“

Die Antwort, mein Freund, kennt ganz allein der Fahrtwind.